Mittwochs von 13-14 Uhr haben viele Drittklässler*innen die Gruppenzeit „Geschichten schreiben“. Jedes Kind schreibt in diesen Stunden zu einem gemeinsamen Thema Geschichten, am Ende entsteht ein Geschichtenbuch mit allen entstandenen Werken. Das erste Buch dieses Jahres ist aus Sicht unserer Schule geschrieben, die in diesem Herbst ihren 30. Geburtstag gefeiert hat. Die Kinder bekamen folgenden Text als Input:
„Liebe Leserin, lieber Leser,
wie du ja sicher weißt, bin ich jetzt 30 Jahre alt, was bekanntlich ein stattliches Alter für eine so kleine Schule wie mich ist. Und da möchte ich mal ein bisschen erzählen von meinem Leben hier im Bisamkiez. Denn langweilig ist es bei mir nie, das kannst du dir bestimmt denken…“
Und das ist die Geschichte, die Leonora geschrieben hat:
Mein Alltag
Wenn ich am Morgen aufwache, dann ist alles eigentlich noch ganz ruhig. Nur ein paar Erwachsene laufen herum. Aber wenn es dann 8 Uhr wird, dann kommen schon viele Kinder, aber noch längst nicht alle.Nach und nach kommen Kinder eingetrödelt. Und je mehr Kinder kommen, desto schlimmer wird es. Mit jedem Kind wird es lauter! Manche Kinder rennen die Treppen hoch und runter und manche lassen Bälle auf den Treppen springen. Es ist so laut, dass mir fast die Ohren abfallen.
Aber dann, wenn es 8.30 Uhr ist, dann beginnt der Morgenkreis. Es ist schön leise. Doch plötzlich beginnt die Spiderstarsgruppe zu singen: „Drunten in der grünen Au, steht ein Birnbaum, schau schau, juchhe!“ Und dann steigt die Regenbogengruppe ein: „Alle Kinder lernen lesen, aber nicht mit einem Besen. Und auch nicht auf einem wackeligen Floß, hallo Kinder jetzt geht’s los.“ Irgendwann sagt die Regenbogengruppe im Chor: „Guten Morgen, liebes Knie. Wie geht’s dir denn heute? Gut? Na, dann setz dich mal wieder.“
Dann wird es wieder ein bisschen lauter und schließlich fängt die Arbeitszeit an.
Um 10 Uhr ist Pause. Es werden die Türen aufgestoßen und die Kinder rennen kreischend und schreiend aus den Räumen.Die Regenbogennmädchen machen es sich vor dem Fundbüro gemütlich und frühstücken. Plötzlich läuft Katharina mit der Hupe herum und hupt die ganze Schule voll. Das erste Mal habe ich mit zu Tode erschreckt, so dass ich fast ganz umgekippt bin. Aber wir machen lieber weiter: Hupen heißt, dass die Pause zu Ende ist.
Alle Kinder rennen zurück in die Gruppenräume und die zweite Gruppenzeit beginnt. Anouk, Nelly und Leonora gehen wieder vor das Fundbüro und machen Projekt. Aber Marlene und Minna wollen auch vor dem Fundbüro Projekt machen. Nelly schlägt vor, dass alle in ihre Gruppenräume zurückgehen. Das ist eine gute Idee! Aber Anouk, Nelly und Leonora schleichen sich heimlich wieder zurück. Schon rufen Katha, Katharina und Frank „Aufräumen!“
Und dann fliegen die Türen auf und die Kinder rennen in den Essenraum zum Mittagessen.
Mmh, es gibt Knöpfle mit Soße; ich wünschte, ich dürfte mitessen. Ich hoffe, dass es den Kindern wenigstens schmeckt. Ui, anscheinend schmeckt es Anouk nicht. Sie schmeißt ihr Essen nach der ersten Gabel weg.
Aber jetzt ist erstmal Draußenpause. Manche Kinder gehen auf den Bolzplatz Fußball spielen. Andere spielen auf dem Schulgelände. Da kommt Ronald und holt Anouk und Leonora, denn sie haben Flötenunterricht und hatten auch schon mal eine Aufführung. Dann hupt es wieder, diesmal zur dritten Gruppenzeit. Aber nur für die Drittklässler.
Am Nachmittag werden immer mehr Kinder abgeholt. Mein Schulhof wird immer leerer und in mir drin ist auch nicht mehr viel los. Nur in der Werkstatt ist noch Hochbetrieb. Um 16.30 sind die letzten Kinder weg und die letzten Erwachsenen haben auch Feierabend. Meine Fenster werden zugemacht und meine Türen schließen sich.

