AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.

Wer Terry Pratchett nicht nur gehört, sondern auch gelesen hat, weiß, von wem diese Worte stammen: vom „Sensenmann“, dessen Existenz in dem Moment begann, in dem jemand an ihn in dieser Gestalt glaubte, der in nahezu allen Scheibenwelt-Romanen erscheint, manchmal nur ganz am Rande, mit einzelnen Sätzen, erkennbar ausschließlich daran, dass er in Großbuchstaben spricht. Der Schriftsteller sagte einmal, er hätte Tod so populär gemacht, dass der ihm noch etwas schulde.

Meine Familie lebt mit den Scheibenwelt-Figuren. Ich sehe Andreas vor mir, der die Zugfahrt zwischen Venedig und Verona mit „der Stadtwache“ verbringt und durch seinen Versuch, sich das Lachen zu verkneifen, die Aufmerksamkeit der anderen Fahrgäste auf sich zieht. Milla, die als „Tiffany“ zum Fasching geht, mit einer Eisenpfanne in der Hand. Poppi, die gerade erst vor einigen Wochen als „Kleiner freier Mann“ verkleidet war. Mein Looper heißt „Agnes“, weil auch die mehrstimmig mit sich selbst singen kann. Ich rede bei jeder sich bietenden Gelegenheit von den Hexen der Scheibenwelt, weiß einen Satz, eine Weisheit, eine kleine Geschichte. Eine Freundin sagte zu mir, dass sie die Bücher gar nicht lesen will – sie hört lieber mir zu, wenn ich davon erzähle. Eine Nacherzählung schrieb ich einer Freundin, die im Sterben lag. Einige Jahre lang trug ich drei Ringe mit einem Zitat der Kelda der „Wir-sind-die-Größten“. Mehrere Gedanken habe ich in meine Bilder einfließen lassen. Ein persönliches Initiationsritual vor einiger Zeit hat seinen Ursprung in einer Geschichte aus dem Kreideland.

Die unendliche Weisheit, die in Terry Pratchetts Büchern zu finden ist, hat mir mein Leben verständlicher gemacht, hat mich getröstet, hat mir Hoffnung gegeben und hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Ich denke in Bildern und ich fühle in Geschichten. Die Bewohner der Scheibenwelt und ihre Erlebnisse haben mich geprägt. So ist es wohl kein Wunder, dass sie durch mich auch ihren Weg in die Schule fanden. Ich weiß nicht, wie oft ich mich mit Laris amüsiert habe über Oma Wetterwachs´ Versuch, einen Witz zu erzählen. Oder fragt mal die Großen der Oberen Etage nach Zauberstäben und Kürbissen! Die Sechstklässler haben kürzlich gelernt, woher Einkaufswagen kommen (vielmehr: woraus sie schlüpfen). Wir wissen, dass man eine bestimmte Station im Extavium besser nicht ausprobieren sollte, weil man sich dort verlieren könnte. Einige Kinder der Wilden 15 erinnern sich vielleicht an die „Hose der Zeit“ und daran, was sie mit Parallel-Universen zu tun hat. Und diese wiederum zeigen uns, dass alles möglich ist, dass man alles schaffen kann, weil es nämlich irgendwo gerade geschieht.

Im Literaturangebot der 6. Klasse begleiten wir seit Januar Tod, der durch sein Interesse am menschlichen Dasein selbst die eine oder andere menschliche Eigenheit annimmt (ICH HABE MIR KÜRZLICH VIELLEICHT EIN PAAR GEFÜHLE GELEISTET. ABER ICH KANN JEDERZEIT DAMIT AUFHÖREN.) und deshalb vom Dienst suspendiert wurde. Zur Zeit lebt und arbeitet er auf einer Farm – mit einer Sense kann er umgehen!

Die Nachricht von Terry Pratchetts Tod hat mich sehr bewegt. Ich kann gar nicht sagen, dass ich traurig bin. Vielmehr fühle ich eine tiefe Dankbarkeit für das, was er mir mit seinen Büchern gegeben hat. Und beim Lesen der verschiedenen Kommentare im Internet wurde deutlich, dass es vielen, vielen Menschen so geht. Das berührt mich.

Und wie endet die Geschichte?

„Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the black desert under the endless night.

The End.“

BirgitAT LAST, SIR TERRY

(Quellen: https://twitter.com/terryandrob und www.sueddeutsche.de, Bild: Paul Kidby)

Für Kinder geeignet: Die Tiffany-Bücher (vor allem die ersten drei, das vierte ist eher für Jugendliche): „Kleine freie Männer“, „Ein Hut voller Sterne“, „Der Winterschmied“, „Das Mitternachtskleid“ – ein fünftes wird noch in diesem Jahr erscheinen. Und aus dem Erwachsenen-Regal: „Total verhext“. Das von Katharina Thalbach gelesene Hörbuch empfehle ich unbedingt!